FAQs

Was tun beim Crash? Abwarten? Im Bereich Bodenbildung preiswert wieder einsteigen? Oder doch lieber alles verkaufen?


Außer in Japan gab es nach jedem Crash neue Höchststände. Gute Aktien erholen sich wieder. Es ist deshalb grottenschlecht, alles zu verkaufen. Am besten ist es, erstklassige Aktien günstig nachzukaufen oder dort neu einzusteigen. Finanziert wird mit Geldreserven oder mit einem Teilverkauf von Aktien, die nahe dem Jahreshoch notieren (solche gibt es auch in jedem Crash) und der Bestand ansehnlich ist. Denn die besten Rennpferde bleiben im Stall. Sogenannte "Schrotthaufen" werden komplett verkauft. Hier ist ein Steuerausgleich bei Verlusttiteln vom Finanzamt genauso hoch wie meine Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und evtl. Kirchensteuer, also rund 27 bis 28 %.




Ist es möglich, einen Crash früher als andere zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren? Zum Beispiel mit Absicherungsystemen?


Erfahrene Börsenteilnehmer erkennen Krisenherde oft früher, vor allem aber reagieren sie klug und rasch, wenn aufgrund eines unerwarteten Schreckensszenarios die Kurse einbrechen. Absicherungsstrategien kosten unnötig viel Geld und bringen meistens gar nichts. Daran verdienen nur die Anbieter, während Sie in der Regel verlieren - noch mehr als mit Strafzinsen.




Soll ich auch mit kleinem Geldbeutel in gute Einzelaktien investieren oder als vorsichtiger Anleger anfangs lieber nur gute ETFs auswählen?


Ich empfehle Neulingen mit einem Kapital unter 10.000 € die ersten Erfahrungen mit guten ETFs zu machen wie MDAX, SDAX, MSCI World, S&P 500. Dies garantiert schon eine breite Streuung als Risikominderung. Ab dann ist der Weg für die ersten Einzelaktien gangbar.




Wann sind Sparpläne richtig? Wann sind eher Einmalanlagen vorzuziehen?


Sparpläne eignen sich gut als längerfristige Kapitalanlage für Kinder und Enkel. Außerdem sind monatliche Sparpläne ab 25 € gut, wenn die Sparvorsätze zum Monatsanfang nicht eingehalten und am Monatsende alles ausgegeben wurde. Bei Disziplin und Verlässlichkeit kann man die Summe für einen Aktienkauf z. B. von über 1.000 Euro bis 2.000 Euro auf dem Girokonto belassen, bis sie eingesetzt wird, um dann die Einmalanlage zu wählen. Dabei sollte Kursschwächen für den Kauf genutzt werden. Wer seine guten Vorsätze nicht einhält, schließt die Sparpläne zum Monatsanfang am besten ab.




Was tun, wenn die Rente niedrig ist und der Ruhestand bald eintritt?


Gerade bei einer niedrigen Rente ist die Wertpapieranlage unverzichtbar. Wer will schon auf Grundsicherung angewiesen sein oder unter Altersarmut leiden? Aber es gilt: Sinnvolles Sparen bedeutet Konsumverzicht. Wer bei einem Rabatt von 50, 60 oder 70 % zugreift, spart nicht diesen Prozentsatz, sondern gibt 30, 40 oder 50 % mehr aus. Nur bei Sachen, die man wirklich braucht, sind hohe Rabatte sinnvoll. So werden beispielsweise fast die Hälfte aller gekauften Klamotten nie getragen, sondern führen zu übervollen Kleiderschränken.




Sind Frauen die besseren oder schlechteren Anleger?


Teils - teils, Ausgang offen. Einerseits schützt und bewahrt Frauen die Vorsicht mit dem Ziel Kapitalerhalt vor hochspekulativen Finanzprodukten mit hohem Hebel. Andererseits ist die Liebe und Treue zum schleichenden Kapitalvernichter Sparbuch ungebrochen. Männer legen prozentual nur halb so viel in Sparbüchern an und dafür mehr in Wertpapiere. Aber das nicht selten zu beobachtende riskante Zocken (Long/Short, Hebelderivate) macht die grundsätzlich richtige Abkehr vom Sparbuch wieder zunichte.




Wie lässt sich das längere Leben durch den demografischen Wandel sinnvoll für die Geldanlage nutzen?


Im Schnitt leben Deutsche pro Jahrzehnt zwei Jahre länger, vorausgesetzt: nicht saufen, nicht rauchen, sich viel bewegen und gesund ernähren. In 50 Jahren ist dies ein Jahrzehnt, in 75 Jahren sind es 15 Jahre geschenktes Leben. So wächst die Rentenbezugsdauer auf ungefähr 30 Jahre an. Diese lange Zeit will man reich statt arm sein. Wichtig zu wissen: Auch mit 60 oder 70 Jahren ist es nicht zu spät für die Aktienanlage. Mein Motto: Besser spät als gar nicht. Erstklassige Aktien von Unternehmen, die Nutznießer des längeren Lebens sind, gelten als Favoriten, also allem voran Gesundheitswesen, Pharma, Biotech, Medtech, aber auch Künstliche Intelligenz mit Robotik, Industrie 4.0.




Ist eine nachhaltige Geldanlage mit gutem Gewissen möglich, ohne Rendite einzubüßen?


Bis 2017 waren die Renditeunterschiede gering, 2018 gab es ein Renditeplus. Und 2019 wurde bereits eine deutlich bessere Rendite im Schnitt verzeichnet. Hier kommt der Greta-Effekt ins Spiel. Junge Leute interessieren sich ganz besonders für nachhaltige Aktien, die man mit gutem Gewissen mit Blick auf den Klimawandel kaufen kann.




Ist es in schwierigen Zeiten und drohenden Krisen nicht besser, Stoppkurse zu setzen? Wenn ja, innerhalb welcher Spanne?


Bei riskanten Aktien aus den Sektoren Biotech, Hochtechnologie oder beispielsweise Künstliche Intelligenz ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man bei monatelanger Abwesenheit Stoppkurse zwischen 15 und 25 % setzt und dabei nicht vergisst, diese bei Bedarf der allgemeinen Kursentwicklung anzupassen. Aber Vorsicht! Dies kann gebührenpflichtig sein! Ich würde mir meine freie Handelsentscheidung nicht durch Computerprogramme wegnehmen lassen. Außerdem garantieren Stoppkurse keine Ausführungskurse, sondern es gilt die erste Kursfeststellung auf oder unter dem Stoppkurs. Stürzt ein Biotechunternehmen nach Bekanntgabe des Scheiterns der Klinischen Studie III nach abendlicher Mitteilung schon beim ersten Kurs im Morgenhandel um 95 % ab, fliegt Ihre Aktie zu diesem Kurs aus Ihrem Depot. Was nützen da Beschwichtigungen wie: "Leider wurde die Aktie XX ausgestoppt. Wir nutzen bei insgesamt positiver Einschätzung den niedrigen Preis zum Nachkauf." Die Folge: doppelte Transaktionskosten und viel Ärger. Wer mag da tatsächlich wieder einsteigen?




Warum Teilverkauf statt Komplettverkauf?


Die meisten Leute verkaufen ihre Aktien schon mit Gewinnen von 30, 40, 50 %, eher selten erst im dreistelligen Bereich und extrem selten bei vierstelligen Kursgewinnen. Verkauft wird dann in der Regel alles. Der Teilverkauf bezweckt einerseits eine Gewinnsicherung, ermöglicht aber andererseits, dass die besten Aktien mehrheitlich im Depot bleiben. Mit dieser Strategie habe ich immer noch den größten Teil meiner Aktien Sartorius, Nemetschek, Eurofins, Bechtle, Rational, Samsung, MUM und Datagroup, die alle zwischen 1.000 und 4.000 % im Plus liegen. Dies funktioniert besonders gut, wenn preiswert zugekauft wird. Komplettverkauf ist ratsam bei schlechten Aktien, die dauerhaft enttäuschen, insbesondere, um dann auch den Steuerausgleich für Veräußerungsverluste wahrnehmen zu können.




Wie viele Stunden muss ich im Schnitt wöchentlich aufwenden, um mit Aktienanlagen erfolgreich zu sein?


Das hängt von der Größe des Depots bezüglich Anzahl der Akte und Kapitalhöhe ab, aber auch, ob mehrheitlich in Aktien, ETFs und aktive Aktienfonds investiert wird. Viele Anleger vergeuden unnötig viel Zeit, indem sie in Erbsenzählermanier stundenlang in der Vergangenheit herumwühlen, ohne zielstrebig und zukunftsgerichtet nach vorn zu schauen. Was soll es bringen, das KGV über einen Zeitraum von 5 Jahren zurückzuverfolgen? Wie viele Geschäftsberichte wären daraufhin durchzusehen? Was nützt es, die durchschnittliche Volatilität eines Titels mathematisch exakt auszurechnen? Die Spieltheorie beweist, dass es nicht genügt, die Regeln zu kennen und dass es ablenkt, die Vergangenheit bis ins letzte Detail aufzurollen. Es geht um zukunfts- und zielgerichtete strategische Entscheidungen.




Warum nicht höhere Beträge in wenige Aktien stecken als sich ein mengenmäßig großes Depot aufbauen?


Wer 14 Jahre lang breit gestreut in Aktien angelegt hat, zählt immer zu den Siegern. Wer große Summen in wenige Titel anlegt, läuft Gefahr, riesige Verluste zu erleiden, z. B. Steinhoff, Solarword, Intershop, PAION, um nur einige Titel zu nennen. Kauft ein Einwert- oder Wenigwerte-Fan dann tatsächlich eine hervorragende Aktie wie VARTA, wird er aus Angst vor Verlusten und wegschmelzenden Gewinne sicherlich nicht warten, bis die Aktie über 300 % zugelegt hat. Er wird in der Regel frühzeitig verkaufen. Da Verlustängste stärker ausgeprägt sind als die Freude über schöne Gewinne, werden die "Schrott-Aktien"-Verluste gern verdrängt: "Der Titel wird sich schon wieder erholen!" Aber nicht jeder, der zu Boden geht, steht wieder auf!




Wie soll ich mit einem geerbten sechsstelligen Wertpapierdepot umgehen?


Bei geringem Börsenwissen, wenig Zeit und Lust ist es besser, ein paar Stunden bei einem seriösen Vermögensverwalter zu buchen (Durchschnittspreis rund 200 €) anstatt große Fehler zu begehen. In meinem Buch "Wie finde ich die besten ETFs und Aktienfonds"? bringe ich umfassende Beispiele für vorsichtige, erfolgsorientierte, risikofreudige Anlegertypen bei 10.000, 20.000, 30.000, 50.000, 100.000 Euro-Depotvermögen und darüber.




Ist eine Immobilie nicht die bessere Alternative gegenüber Aktien?


Das gilt heute sicherlich bei entsprechender Vermögensdecke für die selbst zu nutzende Eigentumswohnung oder das selbst bewohnte Haus. Wegen der Mietpreisbremse und anderer Unannehmlichkeiten kann die Investition in ein Mietshaus sehr unerfreulich verlaufen. Das gilt insbesondere bei schlechter Lage und großer Entfernung. Da sind Aktien gewiss die bessere Alternative, um auch Strafzinsen zu entgehen.




Wie kann ich Kinder und Enkel für die Aktienanlage begeistern?


In fast allen meinen neuen Büchern spreche ich dieses Thema an, unterlegt mit zahlreichen Fallbeispielen. Aktuell geht es mir darum, über Spiel, Sport und moderner Spieltheorie mit spannenden Vorgabesystemen einen noch besseren Zugang zur Aktienwelt bei Jugendlichen, Heranwachsenden, jungen Erwachsenen herzustellen. Schade, dass unsere Regierung, unser Staat rein gar nichts tut für die Förderung der Aktienkultur und die geplante Aktien-Transaktionssteuer ab 2021 ein Schlag ins Kontor ist. Wohl der Hauptgrund dafür, dass so wenig Bundesbürger in Aktien anlegen und den schleichenden Kapitalvernichter Sparbuch die Treue halten.





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